Teil 1: Tierschutz & Fiakerei – wie das zusammen passt.

Tierschutz und Fiakerei – das sind zwei Wörter die von sehr vielen Menschen in Verbindung gebracht werden, allerdings zumeist in einem negativen Kontext. Auf den ersten Blick erscheint das auch durchaus verständlich. Doch wer hinschaut und sich informiert weiß, dass Fiakerei und Tierschutz absolut kein Widerspruch sein müssen – ganz im Gegenteil.

Umso mehr würde es uns bedeuten, wenn du uns die nächsten paar Minuten deiner wertvollen Zeit schenkst und mit uns einigen Mythen zum Thema Tierschutz auf den Grund gehst.

Mythos #1: Die Pferde arbeiten rund um die Uhr, 7 Tage die Woche.

Lasst uns die Frage vorweg einmal ganz kurz & klar beantworten: NEIN!

Keines der Fiakerpferde in Wien muss 7 Tage die Woche arbeiten. In Österreich sind wir in der glücklichen Lage, dass wir sehr strenge Tierschutzgesetze haben, vor allem für die Arbeit mit Pferden. Diese dürfen nämlich 4,5 Tage die Woche arbeiten – 2,5 Tage die Woche müssen Sie frei haben. Das gilt natürlich genau so für Fiakerpferde, sowie für die Pferde, die von der Stadt Wien auch beispielsweise für die Waldarbeit eingesetzt werden (Hier findest du mehr zur Waldarbeit der Pferde, falls du noch nicht davon gehört hast).

Zusätzlich zu den 2,5 gesetzlich vorgeschriebenen, freien Tagen in der Woche, bekommt jedes Pferd bei uns und Fiaker Paul auch zwischen 5-7 Wochen Urlaub über das Jahr verteilt. Kurz um, unsere Pferde müssen/dürfen nicht mehr arbeiten, als du oder wir – überspitzt gesagt, ist fast das Gegenteil der Fall, könnte man meinen.

 

Mythos #2: Die Pferde leiden unter Hitze.

Alle Jahre wieder sind wir mit diesem Vorwurf konfrontiert und alle Jahre wieder versuchen wir zu diesem Thema aufzuklären. Lange Rede, kurzer Sinn: Fakt ist, dass die Tierschutz Ombudsstelle der Stadt Wien, im Jahr 2008 eine Studie zum Thema “Hitzemessung bei Fiakerpferden in Wien” bei der Veterinärmedizinischen Universität Wien in Auftrag gegeben hat. Natürlich kann die Studie jederzeit nachgelesen werden. Wer sich allerdings die lange, fachliche Studie sparen möchte, und nicht davon überzeugt ist, dass die Hitze sowie die Bodenwärme keine sonderbare Belastung für unsere Liebsten  darstellen, kann jederzeit auch den Selbsttest im Sommer machen.

So funktioniert der Test: Wenn du im Sommer zufällig an einem der Fiaker-Standplätze vorbeikommst, geh doch einfach zu den Pferden (aber bitte frag zuerst den Kutscher ob du seine Pferde auch angreifen darfst – auch Pferde können mal einen schlechten Tag haben und hin-schnappen, wenn sie grantig sind) und lege deine Hand auf die Rippen (Flanke) der Pferde. Selbst die Pferde, die gerade von einer Rundfahrt zurückgekommen sind, schwitzen nicht wirklich. Das liegt einfach daran, dass ca. 90% der Arbeit mit unseren Pferden im Schritttempo passiert und die Herzfrequenz über weite Strecken kontinuierlich bleibt.

 

 

Mythos #3: Die Pferde werden gequält & wollen nicht vor die Kutsche gespannt werden.

Ein Mythos oder besser gesagt ein Vorurteil, dass uns sehr im Herzen trifft! Denn bei uns wird kein Tier gequält oder gezwungen. Wer selbst einmal ein Pferd hatte, weiß wie groß und kraftvoll diese Tiere sind. Jeder der schon mal versucht hat einem Pferd Geschirr anzulegen obwohl dieses nicht wollte, weiß von was wir sprechen. Pferde sind sensibel und stark zugleich, sie könnten uns jeden Tag tot-trampeln wenn sie wollten. Das vergisst man oft! Außerdem, wurden die Pferde für das was sie tun gezüchtet. Sie sehen ihre tägliche Tätigkeit als Lebensinhalt an – woher wir das wissen? Du spürst, einfach wie sich ein Pferd fühlt, du merkst es am Kutschbock und du siehst es ihnen an! Denn Pferde kommunizieren auf ihre eigene Art und Weise.

Bleibt noch die Frage offen: Was passiert wenn sich ein Pferd nicht einspannen lässt? – Gar nichts. Von 10 Paar Pferden die bei Fiaker Paul ausgebildet werden, funktioniert vielleicht 1 Paar nicht. Die Pferde werden dann entweder zu Reitpferden umgeschult, oder sollte das auch nicht funktionieren, dann bleiben Sie auf dem Hof, für den Rest ihres Lebens.

Grundsätzlich werden die Pferde auch etwa 1 Jahr auf dem Land trainiert bevor sie zum ersten Mal mit Gästen in Schönbrunn und dann in der Innenstadt fahren. Es ist wichtig, dass die Pferde fürsorglich gecoacht werden, der Kutscher Vertrauen zu ihnen aufbaut und sie langsam an ihre Aufgaben herangeführt werden.

 

Mythos #4: Die Pferde sind in einem schlechten körperlichen Zustand.

Vor allem dieser Mythos ist sehr weit verbreitet. Wir sind allerdings der Meinung, dass das auch daran liegt, dass viele Leute oft gar nicht den Unterschied zwischen einem gesunden Pferd und einem kranken Pferd erkennen. Damit du in Zukunft auf Anhieb erkennst worauf es ankommt, haben wir eine kleine Grafik vorbereitet.

Woran man erkennt, ob ein Fiakerpferd gut behandelt wird und es sich wohl fühlt (kalte Jahreszeit).

Natürlich gibt es wie in jeder Branche auch in der Fiakerei schwarze Schafe und Leute die meinen, sich

Wasser ist wichtig!

an Gesetze nicht halten zu müssen. Wir können dir aber versichern, dass solche Fälle immer zur Anzeige gebracht werden. Was viele auch nicht wissen, dass es vor allem im Sommer sehr strenge Kontrollen durch Amtstierärzte gibt – Teilweise angekündigt und teilweise unangekündigt. Außerdem ist der Kutscher seit 2008 verpflichtet, die Fütterungen seiner Tiere im Fahrtenbuch zu vermerken. Und zu guter Letzt, gibt es auch auf den größeren Fiaker-Standplätzen in Wien einen sogenannten Platzmeister, dessen Aufgabe es ist die Pferde zu wassern, füttern und deren Mistsäcke zu entleeren. Der Platzmeister ist ein wichtiger Teil der Fiakerei und unterstützt die Kutscher und Pferde so gut er kann.

Eine Frage zwischendurch: Weißt du wie viel Liter Wasser ein arbeitendes Pferd so täglich trinkt? – ca. 30-60 Liter täglich.

 

Mythos #5: Die Kutscher behandeln Ihre Pferde schlecht.

Wir haben es bereits in Mythos #4 erwähnt…es mag eventuell den ein oder anderen geben, der das so macht, doch für uns gilt: Warum sollten wir unsere Tiere schlecht behandeln? Sie sind unser Kapital, sie sind die wichtigsten Mitarbeiter in unserem Konzept – Ohne sie könnten wir nicht leben. Wir lieben unsere Pferde einfach und jeder der uns kennt, weiß das. Punkt, aus!

 

Fazit

Wenn du diesen Artikel komplett gelesen hast und immer noch der Meinung bist, dass wir Tierquäler sind, dann sei es so und wir akzeptieren das. Denn wir wissen, dass wir es nicht jedem Recht machen können und nur du alleine bist in der Lage, deine Meinung zu einem Thema zu ändern. Wir können nur unsere Ansicht kundtun, gleichzeitig möchten wir auch jedem signalisieren, dass wir immer für den Dialog offen sind. Uns ist ganz wichtig, dass du verstehst, dass die Arbeit mit den Tieren transparent ist und du jederzeit die Möglichkeit hast, dich bei uns zu erkundigen und du deine kritischen Fragen stellen kannst.

Du bist auch immer herzlich eingeladen bei uns im Stall vorbeizukommen und bei unserer “Geheimnisse der Fiaker” Tour einen tieferen Einblick in unsere tägliche Arbeit zu werfen.

 

 

Dein Riding Dinner Team

 

 

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1 Comment

Fiakers, fine dining and fantasies – TheHippoShoe · April 11, 2019 at 2:05 pm

[…] note: there is an excellent article on the Riding Dinner Blog that talks about the care and consideration given to their most valuable team members, the horses. […]

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